Wie Lernförderlichkeit uns beim Lernen unterstützt

Wie Lernförderlichkeit uns beim Lernen unterstützt

Beim Thema Lernen denken alle vermutlich an ihre Schulzeit zurück. Der erste Schultag war toll, schließlich bekamen wir eine Schultüte voller Geschenke. Aber dann ging’s los. Jeden Tag Daten, Formeln und Vokabeln pauken und erst die Hausaufgaben. Da war man doch richtig froh, als man endlich raus aus der Schule war und was mussten wir feststellen: „Man lernt nie aus.“

Immer wieder gibt es neue Trends, Regeln, Techniken und Erfindungen. Ständig müssen wir uns auf etwas Neues einstellen, etwas Neues lernen.

Wäre es da nicht schön, wenn uns die verwendeten Systeme beim Lernen unterstützen würden. Wenn wir eigentlich gar nicht so richtig merken würden, dass wir gerade etwas Neues lernen.

Die Norm nennt so etwas „Lernförderlichkeit“. Doch was verbirgt sich alles dahinter?

Die Norm

In der DIN EN ISO 9241:110 steht: „Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen der Nutzung des interaktiven Systems unterstützt und anleitet.“

Wie muss die Norm interpretiert werden?

Unterstützen wird u.a. definiert als „dazu beitragen, dass jemand Fortschritte macht, Erfolg hat“ und anleiten als „zeigen, wie etwas gemacht wird“. Mit anderen Worten soll das Programm, der Internetauftritt uns also zeigen wie etwas gemacht wird und dazu beitragen, dass wir beim Erlernen der Nutzung Erfolg haben, d.h. das System schnell erfolgreich bedienen können.

Wie sieht Lernförderlichkeit bei Systemen aus?

Es gibt unterschiedliche Methoden ein System „lernförderlich“ zu gestalten. Sehr viel ist bereits erreicht wenn es  aufgabenangemessen und selbstbeschreibungsfähig ist, sich erwartungskonform verhält und fehlertolerant ist.

Wenn ein System auf bewährte, bereits erlernte Methoden zurückgreift, dann ist uns schon ein großer Teil des Neu-Lernens erspart geblieben. Wir können uns auf das Erlernen der neuen Funktionen konzentrieren. So erleichtern uns bekannte Befehle, Shortcuts oder Icons das Erlernen eines neuen Systems ungemein.

Zusätzlich kann die Lernförderlichkeit mittels (kontextsensitiver) Hilfe oder erläuternden Tooltips erhöht werden. Shortcuts sollten beispielsweise mit den Anfangsbuchstaben der Befehle beginnen und zum leichteren Erlernen in den Menüs als zusätzliche Information angezeigt werden. Auf diese Weise lassen sich auch neue Shortcuts einfach lernen, bzw. herleiten.

Darüber hinaus kann man dem Anwender Themen wie „Erste Schritte“ oder kurze Lernvideos mit Tipps zum Durchführen bestimmter Aktionen zur Verfügung stellen. Auch „Sandboxes“ (isolierte Bereiche, zum Experimentieren innerhalb derer eine Maßnahme keinerlei Auswirkung auf die Produktivumgebung hat) sind ein beliebtes Mittel um die Lernförderlichkeit zu erhöhen.

Wie immer gibt es auch hier keinen Königsweg. Nicht alle möglichen Methoden sind für alle Systeme und deren Benutzer gleich gut geeignet oder notwendig. Es muss aus Sicht der Anwender und des angestrebten Systemzwecks entschieden werden, welche Methoden zum Einsatz kommen. So ist es ein fundamentaler Unterschied, ob das System zum Beispiel ein Online Banking System für Jedermann oder ein Expertensystem für Professoren ist.

Wie und wann wird Lernförderlichkeit überprüft?

Die Designer und Entwickler sollten also nicht nur gängige Methoden, sondern auch die Arbeitsaufgabe und das Vorwissen der zukünftigen Anwender genau kennen um das System so lernförderlich wie möglich gestalten zu können. Dabei können ihnen Usability Experten mit ihrem umfangreichen Methodenbaukasten helfen.

Diese Experten können entwicklungsbegleitend und in separaten Testphasen im Zuge eines Usability Tests neben den anderen Grundsätzen zur Dialoggestaltung aus der DIN EN ISO 9241:110 auch die Lernförderlichkeit des Systems untersuchen. Durch dieses Dialogprinzip kann die Softwareergonomie erhöht und damit die Usability des Produktes verbessert werden. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass die Umsetzung dieses Dialogprinzips alleine noch kein ergonomisches System schafft. Erst durch die Beachtung und das Zusammenspiel aller Dialogprinzipien wird ein System ergonomisch und damit anwenderfreundlich.

Fazit

Wir alle müssen Zeit unseres Lebens Neues lernen. Lernförderlichkeit von Systemen kann uns dabei unterstützen, bzw. die Einarbeitung erleichtern. Je einfacher und bekannter ein System gestaltet ist, je mehr es uns bei der Einarbeitung, dem Erlernen unterstützt, desto schneller erzielen wir einen Lernerfolg, desto schneller können wir das neue System bedienen. Je mehr Erfolgserlebnisse uns ein System vermittelt, desto breiter wird es angewendet. Dies ist vor allem bei Systemen mit großen Benutzerzielgruppen wichtig.

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