Warum rot-grün Blinde nicht nur Probleme mit Ampeln haben

Regenbogenwiese dargestellt mit unterschiedlichen FarbfehlsichtigkeitenBestimmt hat jeder schon einmal von rot-grün Blindheit gehört, aber können wir uns auch vorstellen wie sich die Welt verändert wenn man rot-grün blind ist? Klar ist, dass diese Menschen Probleme mit Ampeln haben und anhand der Position des Lichts entscheiden ob die Ampel rot oder grün ist. Aber was ist sonst noch anders? Mit einer starken Sonnenbrille kann ein normalsichtiger Mensch einen kleinen Eindruck davon gewinnen, wie es ist, wenn die Farben nicht mehr klar zu unterscheiden sind. Diese Brille kann man absetzen, ein farbfehlsichtiger Mensch hat diese Möglichkeit nicht.

Die im Volksmund so genannte rot-grün Schwäche tritt bei nur ca. 2% der Bevölkerung auf, aber ca. 10% der Bevölkerung leiden unter einer Farbfehlsichtigkeit, unter abgeschwächten Formen sogar 20%. Was mag diesen Menschen alles entgehen und wie kann man auch sie erreichen?

Das menschliche Auge

Fotorezeptoren auf der menschlichen Netzhaut setzen Reize von bestimmten Bereichen elektromagnetischer Wellen in „Sehen“ um. Dabei sorgen die sogenannten „Stäbchen“ für die hell-dunkel Wahrnehmung und drei Typen von „Zapfen“ (Rot-, Grün-, und Blaurezeptoren) für das farbige Sehen. Der Ausfall von „Zapfen“ verursacht daher unterschiedliche Formen und Ausprägungen von Farbfehlsichtigkeit.

Arten der Farbfehlsichtigkeit

Normalsichtigkeit bezeichnet man als Trichromasie (griechisch: tri „dreifach“ und chroma „Farbe“). Bei der Farbfehlsichtigkeit unterscheidet man zwischen Dichromasie (griechisch: di “doppel” und chroma “Farbe”), Monochromasie (griechisch: „einfarbig“) und Achromasie (griechisch: „Farblosigkeit). Ca. 8-9% der Männer und 1% der Frauen sind von einer Farbfehlsichtigkeit betroffen. Darüberhinaus gibt es Menschen, die eine nicht stark ausgeprägte Farbfehlsichtigkeit haben, wenn einer der drei Zapfen nur eingeschränkt funktioniert.

Dichromasie

Wenn nur zwei Zapfentypen funktionieren bezeichnet man das als Dichromasie. Es gibt drei Arten von Dichromasie: Deuteranopie (Grünblindheit), Protanopie (Rotblindheit) und Tritanopie (Blaublindheit). Bei dieser Art von Farbfehlsichtigkeit funktioniert jeweils der Zapfen nicht der für die entsprechende Farbe verantwortlich ist nicht.

Farbfehlsichtigkeit: Obstkorb aus Sicht eines Normalsichtigen
Wahrnehmung eines normalsichtigen Menschen
Farbfehlsichtigkeit: Obstkorb aus Sicht Deuteranopen
Wahrnehmung mit Deuteranopie (Grünblindheit)
Farbfehlsichtigkeit: Obstkorb aus Sicht eines Tritanopen
Wahrnehmung mit Tritanopie (Blaublindheit)
Farbfehlsichtigkeit: Obstkorb aus Sicht eines Protanopen
Wahrnehmung mit Protanopie (Rotblindheit)

Monochromasie

Wenn nur ein Zapfentyp funktioniert werden die Betroffenen als Monochromaten bezeichnet. Diese Menschen können keine Farben, sondern lediglich Graustufen wahrnehmen.

Farbfehlsichtigkeit: Obstkorb aus Sicht eines Monochromaten
Wahrnehmung eines Monochromaten
Farbfehlsichtigkeit: Obstkorb aus Sicht eines Normalsichtigen
Wahrnehmung eines normalsichtigen Menschen

Achromasie

Wenn kein Zapfen funktioniert leiden die Menschen an Achromasie. Diese Menschen können keine Farben, sondern nur hell-dunkel Kontraste wahrnehmen.

(Diese Einschränkung kann für Normalsichtige technisch leider nicht richtig dargestellt werden.)

Wie kann man Überprüfen wie Menschen mit Farbfehlsichtigkeit Dinge sehen

Im Rahmen eines Usability Tests durch Experten wird u.a. die Wahrnehmung der Software, bzw. des Internetauftritts durch einen Menschen mit Farbfehlsichtigkeit überprüft. Auf diese Weise können Probleme bei der Wahrnehmung sehr schnell festgestellt werden. Je früher diese Überprüfung erfolgt (am besten in der Designphase) desto kostengünstiger können Probleme noch behoben werden.

Fazit

Leider sieht die Welt für einige Menschen nicht so bunt aus wie für andere. Man sollte versuchen diesen Menschen die Teilnahme am „normalen“ Leben zu ermöglichen und die Möglichkeit bieten alles zu sehen (auch wenn sie Farben anders wahrnehmen als Normalsichtige). Dort, wo Farbe zur Gestaltung und Steuerung eingesetzt wird, also nicht nur bei Ampeln, sondern z.B. auch bei Internetauftritten, Bedienoberflächen, Präsentationen, Printprodukten wie Werbung, Einladungen, Flyern, Visitenkarten, sollte beim Design und spätestens beim Test berücksichtigt werden, wie diese von Menschen mit Farbfehlsichtigkeit wahrgenommen werden. Speziell wenn verschiedene Farben als alleiniges oder hauptsächliches Unterscheidungs- oder Entscheidungsmerkmal in Texten und bildlichen Darstellungen genutzt werden, muss man sich bewusst machen, dass manche Farben von Farbfehlsichtigen als gleich wahrgenommen werden, so dass für sie die vollständige Erfassung und Nutzung der Darstellung nicht oder nur sehr schlecht möglich ist.

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