Warum der Anwender die Software steuern sollte und nicht umgekehrt?

Ehepaar auf einem SegelbootSommerzeit ist Urlaubszeit. Im Urlaub bestimmt nicht mehr unser Terminkalender Zeit und Ort. Jetzt können wir die Richtung, das Ziel und die Geschwindigkeit zum und am Urlaubsort selbst festlegen. Dabei ist es vollkommen egal ob wir uns mit einem Segelschiff auf dem Mittelmeer treiben lassen oder 30 Städte in 14 Tagen besuchen. Wir haben das Ruder selbst in der Hand und bestimmen was, wann und wo wir etwas machen.

In unserem Alltag ist das leider nicht immer der Fall. Gerade weil wir in diesem Umfeld ständig mit Terminen, Formularen und Regeln konfrontiert sind, würden wir uns freuen, wenn wenigstens die kleinen und großen Software-„Helfer“ nicht noch ein Eigenleben entwickeln würden, sondern uns tatsächlich helfen, schneller und sicherer durch den privaten und beruflichen Alltag zu kommen. Sogar die ISO empfiehlt, dass Software uns, den Anwendern, das Steuer überlässt.

Was aber verbirgt sich hinter diesem Grundsatz der „Steuerbarkeit“?

Die Norm

In der DIN EN ISO 9241:110 steht: „Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist.“

„Bis das Ziel erreicht ist“ und  „Richtung und Geschwindigkeit bei Software beeinflussen“ klingt erst einmal ziemlich theoretisch. Was ist in der Praxis damit gemeint?

Das Ziel erreichen

Das Ziel geben wir vor, denn schließlich benutzt man die Software oder das Webportal aus einem bestimmten Grund (seinem Ziel). Das kann zum Beispiel die Erstellung einer Präsentation oder eine Bestellung sein.

Die Richtung zum Ziel beeinflussen

Auf dem Weg zum Ziel kommt es schon mal vor, dass wir die Orientierung und die Geduld verlieren. Der Anspruch der ISO bedeutet hier, dass wir selbst bestimmen können, ob wir die Schritte auf dem Weg vorwärts oder auch einmal zurückgehen oder sogar abbrechen und ob dabei Informationen, die wir der Software übergeben haben, sinnvoll zurückgesetzt werden.

Hier ein kleines Beispiel: Mitten in die allerletzte Vorbereitung der Unterlagen für den wichtigen Kundentermin meldet sich ihr Betriebssystem mit der Nachricht, dass jetzt dringende Updates eingespielt und alle Dateien automatisch geschlossen werden bevor ein Reboot erfolgt. Zum Glück gibt es in dieser Situation meistens eine „postpone“ Option. Aber was wäre, wenn nicht?

Die Geschwindigkeit ans Ziel selbst bestimmen

Schön wäre es natürlich auch, wenn wir die Reaktions- und Verarbeitungsgeschwindigket der Software bestimmen könnten. Hier geht es der ISO darum, dass wir uns entscheiden können zwischen längeren, oft komfortableren, und schnellen, unter Umständen risikoreicheren, Wegen zum Ziel.

Diese Entscheidung beeinflusst schon direkt unsere Geschwindigkeit. Aber man kann noch mehr tun. Man könnte zum Beispiel Abkürzungen einbauen.

Hier ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, sie wollen sich vor der Arbeit noch schnell beim Bäcker etwas kaufen. Der freundliche Verkäufer informiert sie ausführlich über die Zutaten und Zubereitung jedes einzelnen Teils. Schon nach kurzer Zeit dürften wir die Bäckerei ziemlich genervt (vermutlich ohne Einkauf) wieder verlassen. Wenn jetzt aber unsere schrullige allergiegeplagte Lieblingstante zu Besuch kommt und wir für sie Kuchen kaufen wollen, dann fragen wir den Verkäufer sogar explizit nach Zutaten und Zubereitung. Dieses Beispiel kann man analog auf einen Onlineshop anwenden. Manchmal möchten wir ausführliche Informationen zu einem bestimmten Produkt bevor wir es in den Warenkorb legen und kaufen. Haben wir es aber eilig oder kennen wir die Ware bereits, dann wollen wir sie möglichst einfach und schnell, ohne Umwege oder detaillierte Beschreibungen in den Warenkorb legen.

Wie und warum sollte die Steuerbarkeit von Software / einem Webportal überprüft werden?

Im Zuge eines Usability Tests durch Experten werden u.a. die Grundsätze zur Dialoggestaltung aus der DIN EN ISO 9241:110 überprüft. Das schließt die Steuerbarkeit von Software, bzw. eines Webportals mit ein. Durch diese Tests kann die Softwareergonomie und damit die Usability des Produktes verbessert werden, allerdings schafft die Umsetzung dieses Dialogprinzips alleine noch kein ergonomisches System. Ist Software, bzw. sind Webportale nicht ergonomisch gestaltet kann das zu psychischen Belastungen der Anwender (z.B. Frustration, Überforderung, Stress) führen.

Fazit

Steuerbarkeit von Software ist ein wichtiger Bestandteil der Softwareergonomie. Der Anwender sollte die Software steuern können und nicht die Software den Anwender. Wenn wir die Geschwindigkeit und Richtung der von uns verwendeten Software, des Webportals bestimmen können, können wir sie an unsere individuellen Bedürfnisse anpassen. Das wiederum erhöht unsere Zufriedenheit. Ein zufriedener Anwender passt sein Kauf- und Anwenderverhalten entsprechend an, dadurch profitiert der Anbieter und letztendlich auch der Hersteller.

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